Unzufriedenheit bei Mitarbeitern

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27
Jan

By: Anonymous | Published On: 27/01/19 7:45 pm

Ist ständige Unzufriedenheit bei Mitarbeitern normal?

Menschen beschweren sich und das ist, unter anderem, Kultur bedingt. Während in anderen Regionen dieser Welt etwas mehr Lebenszufriedenheit zu finden ist, sind wir Schweizer prinzipiell eher pessimistisch und «missmutig» veranlagt. Oder anders gesagt, Nörgeln gehört wie zum guten Ton. ?

Die Gründe für die Unzufriedenheit können sehr individuell sein. Denn Einen mag das Gehalt zu gering sein, Andere wünschen sich flexiblere Arbeitszeiten und bei dem Dritten ist es zu wenig Anerkennung, Sinn was auch immer, der Grund dafür, dass sie was zum Nörgeln haben. Achtung, oft ist es auch schon fast Firmenkultur, das Problem zu suchen. Ich erinnere mich an eine Firma, bei der fing zum Beispiel jeder Satz an mit: «Das Problem ist…»

Die Frage ist nun, wie gehe ich mit unzufriedenen Mitarbeitern um:

Führungskräfte sollten Beschwerden lieben lernen

Wo viele unterschiedliche Menschen zusammenarbeiten, lassen sich Konflikte nicht vermeiden. Jeder Mensch hat sein Wertesystem und oft stimmen diese dann nicht mit dem, der Anderen genau überein. So kommt es, dass wir garantiert mindestens ein Teammitglied haben, das sich liebend gerne von morgens bis abends beschwert. Garantiert!

Gejammer und Beschwerden gehören daher für quasi jede Führungskraft zum normalen Berufsalltag. Daran wird sich in Zukunft auch nichts ändern lassen. Was Sie hingegen ändern können, ist Ihr Umgang mit dem «Anliegen» Ihrer Mitarbeiter.

Wenn Sie Beschwerden nämlich lieben und richtig zu händeln lernen, kann daraus eine Kultur entstehen, in der Ihre Mitarbeiter gerne leben. Wird hingegen ein Konflikt ignoriert, verschwindet er nicht, sondern kommt irgendwann noch viel grösser zum Vorschein. Also nehmen Sie sich als verantwortungsbewusste Führungskraft den Beschwerden und Konflikten an. Wenn nicht, riskieren Sie zunehmende Konflikte, wie:

  • schlechtes Betriebsklima
  • sinkende Produktivität
  • fehlende Innovationen
  • stagnierende Weiterentwicklung
  • Mängel in der Kommunikation
  • hoher Krankenstand
  • u. v. m.

Also hören Sie auf, sich über nörgelnde Mitarbeiter zu beschweren. Nehmen sie die Herausforderung an, diese Beschwerden als Verbesserungsvorschläge anzuschauen.

Beschwerden sind Chancen auf Innovation

Wer die Beschwerden der Mitarbeiter ernst nimmt, hat Chancen vieles zu verändern, sofern Sie den richtigen Umgang mit Beschwerden Ihrer Mitarbeiter finden. Ein gutes Beschwerden Management einer Führungskraft hat meistens viele positive Effekte:

  1. Das Vertrauen zu Ihnen als Führungskraft wächst, wenn die Mitarbeiter mit ihrem Anliegen zu Ihnen kommen können, ohne einen Wutanfall oder gar die Kündigung befürchten zu müssen.
  2. Sie können die Mitarbeiter ermutigen, selbst aktiv zu werden und dadurch deren Kreativität, Selbstverantwortung und Arbeitszufriedenheit stärken.
  3. Sie können Missstände frühzeitig aus dem Weg räumen und dadurch die Fehlerquote senken.
  4. Sie entlasten sich als Führungskraft, da Beschwerden konstruktiv gehandhabt und schnell gelöst werden.
  5. Schlussendlich sind so alle Beteiligten zufriedener, vom Chef über die Angestellten bis hin zum Endkunden: Eine Win-Win-Situation!

5 Schritten zum richtigen Umgang mit Beschwerden

Damit Sie all diese positiven Effekte von Beschwerden nutzen und diese in eine echte Chance für das Unternehmen umwandeln können, sollten Sie die folgenden fünf Schritten beachten:

  1. Ein offenes Ohr haben!

Eine Beschwerde kann nur gelöst werden, wenn sie auch gehört wird. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass sich die Mitarbeiter getrauen, mit einem Problem zu Ihnen zu kommen. Sie müssen ein offenes Ohr haben und die Mitarbeiter wissen, dass Sie sich die Zeit nehmen, um hinzuhören, worum es aus der Sicht des Mitarbeiters geht. Und wichtig: Egal was der Mitarbeiter Ihnen für eine Lappalie klagt, hören Sie zu und bleiben Sie ruhig, freundlich sowie professionell.

  1. Feste Regeln einführen!

Viele Reklamationen kommen daraus, dass der Mitarbeiter das Gefühl hat, dass andere etwas dürfen, oder Tun was der Klagende nicht tun darf. Hier hilft es klare Regeln zu haben und die Einhaltung auch zu prüfen und fordern. Menschen sind von Natur aus immer auf der Suche nach Grenzen. Geben Sie ihnen was sie suchen und sie werden es viel einfacher haben. Leider haben wir viel zu viele Vorgesetzte, die nicht den Mut oder die Zeit haben Regeln zu kontrollieren und durchzusetzen. Das gibt nur Unruhen im Team und das wiederum führt zu Unzufriedenheiten.

  1. Behandeln Sie die Mitarbeiter als Erwachsene

Wenn ein Mitarbeiter eine Beschwerde hat, so soll er die vortragen können. Doch Sie als Führungskraft sagen, was sie brauchen um die Beschwerde behandeln zu können. Machen Sie eine Checkliste für Ihre Mitarbeiter. Eine solche To-Do-Liste könnte zum Beispiel wie folgt aussehen:

  • Tritt eine Beschwerde auf, soll der Mitarbeiter diese notieren.
  • Anschliessend soll er selbstständig mindestens drei konkrete Lösungsvorschläge niederschreiben (dadurch verhindern Sie zielloses Gejammer).
  • Mit diesen drei konstruktiven Lösungsansätzen kann er nun zu Ihnen als Vorgesetzten kommen und darf dann auch mit Ihrer Aufmerksamkeit rechnen.
  • Im Vieraugengespräch entscheiden Sie gemeinsam über die nächsten Schritte.

So appellieren Sie an die Eigenverantwortung der Mitarbeiter, fördern dessen Kreativität und Lösungskompetenz und entlasten sich als Vorgesetzte/r automatisch selbst.

  1. Eine „Ideenkiste“ einführen!

Noch besser ist es aber natürlich, wenn Sie Beschwerden verhindern, bevor diese überhaupt entstehen. Viele Mitarbeiter haben zahlreiche Ideen, wie der Arbeitsalltag besser, effizienter oder moderner gestaltet werden könnte. Fühlen sie sich nicht gehört, werden sie unzufrieden. Manch ein Mitarbeiter hat aber eventuell Angst davor, mit seiner Idee ausgelacht zu werden. Führen Sie daher zum Beispiel eine anonyme Ideenkiste ein. Hier kann jeder Mitarbeiter Verbesserungsvorschläge notieren. In regelmässigen Abständen, zum Beispiel einmal monatlich in der Teambesprechung, wird die Ideenkiste dann geleert und in der Gruppe besprochen.

Wichtig: Wenn Sie nicht auf Verbesserungsvorschläge eingehen, erklären Sie wieso. Ansonsten wird die Ideenkisten von den Mitarbeitern als Sinn-los angesehen.

  1. Beschwerde-Tagebuch führen!

Dennoch wird es die ein oder andere Beschwerde geben, welche immer wieder zu Tage tritt, aber niemals konstruktiv bearbeitet wird. Wenn Ihnen zum Beispiel in den Telefonkonferenzen auffällt, dass immer wieder die Gesprächsqualität schlecht ist, notieren Sie sich dies. Es gab vermehrt Kommunikationsprobleme zwischen Abteilung A und Abteilung B? So schreiben Sie sich auch das auf. Führen Sie ein kleines Beschwerde-Tagebuch mit all dem Gejammer, welches Ihnen zu Ohren dringt, und gleichen Sie dieses von Zeit zu Zeit ab. So können Sie sehen, welche Beschwerden regelmässig auftreten und daher in Angriff genommen werden sollten – und welche nicht.

Fazit: Kein Gejammer hiesse kein Fortschritt!

Ein Unternehmen ohne jammernde Mitarbeiter ist quasi undenkbar. Perfektionismus kann gar nie das Ziel sein, denn es wird stets irgendwo irgendein Problem geben und irgendeinen Mitarbeiter, welcher sich über etwas beschwert. Und das ist auch gut so!

Nur, wenn Führungskräfte ein offenes Ohr für die Belange ihrer Angestellten haben, können Missstände zum Besseren gewandelt werden. Kein «Gejammer» hingegen hiesse, dass es im Unternehmen auch keinen Fortschritt gibt und Stillstand ist in der heutigen, schnelllebigen Geschäftswelt ein gefährlicher Zustand. Nehmen Sie die Beschwerden Ihrer Mitarbeiter daher als Chance für kontinuierliche Verbesserungsprozesse und entlasten Sie sich dennoch selbst mit dem richtigen Umgang mit dem «Gejammer». Nur das macht Sinn und so profitieren am Ende alle Beteiligten!

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